Einige Tode gestorben in den letzten Tagen, serielle Selbstmorde am Donnerstag, wo Kathleen Morgeneyer sich mal um mal in den Kopf schoss, dieser in den Nacken fiel, ihre Beine nach links wegsackten und sie zu Boden ging. Wieder aufstand. Beim nächsten Schuss wiederum der Kopf in den Nacken fiel, ihre Beine nach links wegsackten, sie zu Boden ging. Eine serielle Zumutung, dieses HORROR VACUI von Auftrag: Lorey, eine Aneinanderreihung der unmöglichen Momente, die überraschend gelingen: Das Reenactment von Bühnentoden, beispielsweise. Das Erzählen letzter Bilder. Das Errechnen der Beschleunigung im freien Fall, ironisch-poetisch verquickt mit Heideggers Begriff des Werdenden und ein bisschen Lokalkolorit: Wenn man auf die Zeil spränge, wäre das also konsumkritisch. Erstaunlich, alles in allem, wie da eine Schauspielerin im schwarzen Technikeroutfit, einziger Glamourpunkt ein silberner Gürtel, nach Darstellungsweisen des Undarstellbaren sucht: In frühere Rollen schlüpft und stirbt, mit plötzlich wieder emporgehender Mädchenstimme, trocken Szenenkommentare einschiebend. Wie sie von letzten Bildern erzählt, von jenem, das wir vor Augen haben, wenn wir sterben, von jenem, das wir unseren Hinterbliebenen bieten nach unserem Tod – das ungeheure der gebrochenen Augen, aus denen nun nichts mehr zurückblickt. Von Aufnahmen, die sie nicht zu sehen bekommen hat: Sie zeigen laufende Kameras im freien Fall, Aufzeichnungen von Stürzen aus großer Höhe, die fallende Kamerafahrt. Und sie bietet an, was monströser ist als die zuvor gespielten Sterbeszenen: Eine minutiöse Schilderung der Zerstörung des Körpers beim Aufprall, und Morgeneyers Leib wird zum Exempel, an dem der Zuschauer imaginär dieses Zerschellen nachvollzieht, das Splittern der Knochen, das Zerreißen der Organe, den fallenden Schädel, der in der Hüftwanne landet. Von anderer Ungeheurlichkeit dann MARIA STUART gestern, die Verhandlung eines künftigen Gewaltaktes, der als Staatsakt ausgegeben wird. Zwei Königinnen Stirn an Stirn, die Inhaftierte von ungleich größerer Freiheit und größerem Stolz als die Regierende, welche ihre Zwänge schlecht zu verbergen weiß. Ein kanarienvogelgelber Clown, eine Fratze der Macht und der Nötigungsakte, die sie mit sich bringt. Da geht der innere Blick wieder zurück ins Bockenheimer Depot, vor dessen geöffneten Fenstern Statisten aufzogen, starr hineinschauend wie ein Chor, den Zuschauern zuschauend aus unerreichbarer Position. Bis ein Todesengel sie abknallt, einen nach dem anderen, mit einem Fingerschnipsen und zum Ariengetön: und tschüs!